Till Eulenspiegel
Till Eulenspiegel, ein Narr und Provokateur, zieht am Vorabend des Bauernkrieges durch das Land und setzt sich gegen die Adligen und Mächtigen zur Wehr. Auf der verfallenen Burg des rüden Ritters Kunz gelingt es ihm, den Junker hereinzulegen und Rosine, die Tochter des Schmieds, zu retten. Weitere Abenteuer führen Till zum Anwesen des Fürsten Heinrich des Sanftmütigen und an den Hof des Kaisers. Auch dort ergeben sich für den Narr heikle Situationen. Wird sich Till vor dem Galgen retten können?
Diese Vagantenkomödie entstand 1974/75, zu einer Zeit, als das Ende der DDR noch keiner ahnen konnte. Die damaligen Kinozuschauer dürften viele Momente des Films als Satire gegen jedwede Obrigkeit, also auch gegen ihre eigene, empfunden haben – auch wenn sich der Film stets auf die historische Situation bezieht, auf die von Monarchen und Kirchenfürsten mißbrauchte Macht – und auf all jene, die sich in ihrem Schatten bequem eingerichtet haben. Der Titelheld ist ein anarchischer Clown und doch auch ein politischer Held, dessen Nichtseßhaftigkeit ihn vor der finalen Kontrolle und Unterdrückung schützt: eine Figur, an der totalitäre Systeme keinen Gefallen finden können. Merkwürdigerweise findet sich in den Kritiken von damals kein Verweis auf das subversive Potential von TILL EULENSPIEGEL. Sie sehen den Film eher als manchmal deftige Burleske und interpretieren die vielen Anekdoten als Verhöhnung einer längst untergegangenen Macht. Doch ein Titelheld, der erklärt, aber habe keine Angst, weder vor Gott noch den Menschen, sollte überall und zu jeder Zeit auch als höchst politisch verstanden werden.
Rainer Simon: wurde am 11. Januar 1941 in Hainichen im Landkreis Döbeln geboren und zählt zu den bekanntesten Regisseuren der DEFA. Nach dem Abitur und seinem Dienst in der Nationalen Volksarmee studierte er ab 1961 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Sein Diplomfilm war Peterle und die Weihnachtsgans Auguste.
1968 erhielt Simon einen Regievertrag bei den DEFA-Studios für Spielfilme. Zu seinen ersten Arbeiten gehörte der Märchenfilm Wie heiratet man einen König (1969). Mit Jadup und Boel schuf er einen der bedeutenden DEFA-Filme der 1980er Jahre, der allerdings erst mehrere Jahre nach seiner Entstehung in die Kinos kam. Sein 1985 gedrehter Film Die Frau und der Fremde wurde auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet und ist bis heute der einzige DDR-Film, der diesen Preis erhielt.
Nach der Wiedervereinigung drehte Simon unter anderem Der Fall Ö. und Fernes Land Pa-isch. Von 1993 bis 1996 war er Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und arbeitete außerdem am Drehbuch zu Volker Schlöndorffs Der Unhold (1995) mit. Eine besondere Verbindung entwickelte Simon zu Ecuador, wo er nach 1989 wiederholt arbeitete und mehrere Dokumentarfilme über indigene Kulturen drehte. 2005 veröffentlichte er seine Autobiografie Fernes Land – die DDR, die DEFA und der Ruf des Chimborazo sowie seinen ersten Roman Regenbogenboa.
- Land
- DDR
- Jahr
- 1974
- Laufzeit
- 104 min
- Regie
- Rainer Simon
- Buch
- Rainer Simon, Jürgen Klauß
- Kamera
- Claus Neumann
- Musik
- Friedrich Goldmann
- Schnitt
- Helga Gentz
- Darsteller
- Winfried Glatzeder, Cox Habbema, Franciszek Pieczka, Eberhard Esche, Jürgen Gosch u.a.
- FSK
- Freigegeben ab 16 Jahren
Spielzeiten
Magdeburg
Till Eulenspiegel
Filmkunsthaus Studiokino Magdeburg Moritzplatz 1a, 39124 Magdeburg
Vorverkauf noch nicht gestartet